Aufrufs zum 17.4.
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zurück zu 17. April '07
Wir dokumentieren hier eine gekürzte und übersetzte Version des Aufrufs von Via Campesina zum internationalen Aktionstag am 17.4. Hier geht es zum englischen Original.
(...) Anlässlich des internationalen Aktionstags am 17.April fordern Via Campesina und die Gruppen, die diese Organisation unterstützen:
1. Die Verhandlungen der Welthandelsorganisation WTO dürfen nicht wieder aufgenommen werden
Wir wollen, dass die WTO auch weiterhin in der Handlungsunfähigkeit verharrt, in die sie im Juli 2006 geraten ist. Denn durch die Politik der WTO hat sich weltweit die schwierige Situation von Ernährung, Landwirtschaft und kleinbäuerlicher Agrarwirtschaft verschärft. (...)
2. Stoppen wir alle Freihandelsabkommen und Vereinbarungen zu Wirtschaftspartnerschaften über Ernährung und Landwirtschaft
Diese sind lediglich ein Hilfsinstrument, dass nach dem Scheitern der WTO-Verhandlungen mit genau denselben Zielen eingesetzt wird und den weltweiten wirtschaftlichen Neoliberalismus vorantreiben soll. (...) Statt Freihandlesvereinbarungen und sogenannten Wirtschaftspartnerschaften sollen Bilaterale Vereinbarungen auf der Grundlage eines solidarischen Umgangs direkt zwischen den landwirtschaftlichen Kleinproduzenten und VerbraucherInnen getroffen werden. Durch solche direkten und solidarischen Handelsverbindungen entsteht Gemeinschaft, während Freihandelsabkommen den Weg für multinationale Konzerne freimachen und die lokalen Ökonomien zerstören.
3. Beenden wir den Anbau in Monokulturen
Der Blick in die Geschichte zeigt, dass monokulturelle Landwirtschaften in der Regel als Instrument kolonialer Ausbeutung entstanden. Durch Monokulturen konnten die neuen Herren Rohstoffe in großen Mengen und zu geringstmöglichen Kosten produzieren – ohne Rücksicht auf die Arbeiterinnen und Arbeiter oder das bebaute Land. So führten Monokulturen zu Sklaverei und Umweltzerstörung.
Bis heute ist es so geblieben, dass Landwirtschaften, die auf Monokultur basieren, in der Regel Menschen ausbeuten und Umwelt zerstören. Diese landwirtschaftlichen Systeme erzeugen Überproduktion und drücken damit die Preise so stark, dass kleinbäuerliche Betriebe nicht mehr mithalten können und kaputtgehen.
Wir fordern alle Regierungen auf, sich aus der Unterstützung monokultureller Landwirtschaftsbetriebe herauszuziehen. Stattdessen soll eine nachhaltig produzierende Agrarstruktur mit kleinen und mittleren Betrieben entwickelt und gefördert werden, die ökologische Zusammenhänge respektiert und qualitativ gute Nahrungsmittel erzeugt.
4. Setzen wir der Politik der Weltbank Widerstand entgegen!
Die Weltbank drängt die kreditnehmenden Staaten zu einer Politik, die zur Privatisierung von Land, Wasser, öffentlicher Infrastruktur, Saatgut usw. führt. Ein Resultat ist, dass Bauern und ländliche Gemeinschaften vertrieben werden und ihre Existenzgrundlage verlieren, während große Unternehmen immer mehr Ressourcen unter ihre Kontrolle bringen können. Dabei wird diese Politik den kreditnehmenden Staaten sogar unter dem Namen „Agrarreform“ aufgezwungen.
Wir rufen alle Basisorganisationen auf, sich nicht von dieser neoliberalen Poltitk täuschen zu lassen. Wir rufen auf, weiter für echte Argarreformen zu kämpfen, die für ländliche Gemeinschaften das Recht auf Zugang zu Land und die Verfügungsgewalt darüber absichern, das Recht auf bestimmte geographische Gebiete, auf Wasser und Artenvielfalt bei Anbau und Tierhaltung. Die Regierungen fordern wir auf, gemeinsam mit den Bevölkerungen ihrer Staaten auf soziale Gerechtigkeit hinzuarbeiten, statt den Ratschlägen von Weltbank und Internationalem Währungsfond zuzuhören.
5. Erteilen wir der Vorherrschaft der G8-Staaten eine Absage!
Die G8-Staaten repräsentieren nur 13,5 Prozent der Weltbevölkerung, aber sie kontrollieren 62,6 Prozent der Weltwirtschaft. Sie formen die weltweiten Strukturen – egal ob Wirtschaft, Entwicklung, Konflikte oder Umwelt – so, dass jede und jeder davon betroffen ist. Diese Weltordnung hat uns dahin gebracht, dass die Zahl der Hungernden allein im Jahr 2006 von 840 auf 854 Millionen Menschen gewachsen ist, während eine kleine Anzahl von Millionären im selben Zeitraum ihr Vermögen von 16 auf 33 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt hat.
Zwei Monate vor dem G8-Gipfel in Deutschland klagen wir an, dass die Politik der G8-Staaten lediglich dazu dient, die Macht dieser Staaten zu erhalten und die Interessen der großen Konzerne zu schützen – auf Kosten der großen Mehrheit der Weltbevölkerung.(...)
Gegen das herrschende neoliberale Politikmodel setzt Via Campesina das Konzept der Ernährungssouveränität ! _____________________________________________________________________
Was bedeutet Ernährungssouveränität?
Ernährungssouveränität meint das Recht aller Menschen auf gesunde und ihren Gewohnheiten entsprechende Ernährung, die ökologisch und nachhaltig produziert wurde, und das Recht, ihre Ernährungs- und Agrarsysteme selbst zu bestimmen. Das Konzept von Ernährungssouveränität will diejenigen, die Nahrungsmittel erzeugen, verteilen oder konsumieren, zum Mittelpunkt der Agrarstrukturen und Agrarpolitik machen – nicht marktwirtschaftlche Anforderungen und Interessen von Konzernen.
Das Modell Ernährungssouveränität bezieht die Interessen von zukünftigen Generationen mit ein. Es will lokalen und landesweiten Ökonomien Vorrang einräumen und unterstützt kleinbäuerliche und mittelständische Agrarstrukturen, nicht-industriell betriebene Fischerei und Viehzucht und allgemein eine Nahrungsmittelproduktion, Verteilung und Konsum, die ökologisch und ökonomisch nachhaltig und sozial gerecht sind.
Ernährungssouveränität setzt sich für nachvollziehbare Handelsstrukturen ein, die gerechte Einkommen für alle garantieren und ebenso das Recht der Verbraucher und Verbraucherinnen, ihre Nahrung zu kontrollieren. Ernährungssouveränität stellt sicher, dass die Nutzungsrechte an Land, bestimmten geographischen Gebieten, Wasser, Saatgut, und Artenvielfalt in den Händen derjenigen bleiben, die Nahrung produzieren.
Außerdem gehören zum Konzept der Ernährungssouveränität auch soziale Beziehungen, die frei von Unterdrückung und Ungleichheit sind – egal ob zwischen verschiedenen Geschlechtern, zwischen ethnischen Gruppen, verschiedenen Klassen oder Menschen unterschiedlichen Alters.
Deshalb: Stoppt die neoliberale Politk, für Ernährungssouveränität weltweit!